13. Oktober 2012

Ägypten individuell - ein Erlebnis der positiven Art



























Im September 2010 bin ich spontan für eine Woche alleine nach El Gouna geflogen.
Ich war begeistert. Der angestaute Arbeitsstress und einiges andere hatten sich in Luft aufgelöst. Ich hatte zwei neue ägyptische Freunde, einen Angestellten vom Hotel und einen Schmuckverkäufer, mit dem ich abends die eine oder andere Shisha geraucht hatte.

Ich wollte mehr. Kaum zurück, ging es direkt ins Reisebüro um 2 Wochen El Gouna ab dem 26.02.2011 zu buchen.
So weit, so gut, hätte es nicht die ägyptische Revolution gegeben. Mein Abreisedatum rückte näher, die Reise weiter weg, denn sie wurde vom Reiseunternehmen storniert.
Mein Freund aus dem Hotel schlug mir darauf hin vor doch auf eigene Faust nach Ägypten zu reisen, denn das Hotel hätte zu und er somit viel mehr Zeit um diese mit mir zu verbringen. Er würde mir eine Wohnung mieten, alles kein Problem.
Warum eigentlich nicht? So bin ich als Individualtouristin noch eine Woche vor dem eigentlich geplanten Urlaubstermin in Hurghada gelandet.

Die Wohnung stellte sich als ägyptischer Alptraum heraus. Da man dank des Internets und diverser Foren aber mittlerweile überall auf der Welt Bekannte hat, wurde schleunigst diese Quelle angezapft und ich fand eine schöne Wohnung im Haus jener Internetbekannten, die sich zwischenzeitlich zu einer wunderbaren Freundin entwickelt hat. 

Doch nicht so ganz was ich mir vorgestellt hatte

Schon viel besser



Nun verspürte ich den Drang meinen Schmuckverkäufer, der die arbeitsfreie Zeit bei seiner Familie in Luxor verbrachte, für 3 Tage zu besuchen und direkt einige Sehenswürdigkeiten vor Ort zu erkunden.

Per SMS wurde ich von einer Bekannten in Deutschland, welche 3 Jahre in Luxor gelebt hatte, mit wichtigen Telefonnummern versorgt. A als Taxifahrer, B als Reiseleiter, C als hilfreiche Person bei allgemeinen Fragen. Ein Hotel wurde mir auch empfohlen.

Mein Freund brachte mich zum Bus und das Abenteuer begann. 
Alleine die Busfahrt war ein Erlebnis. Ich nahm Kontakt mit A, dem Fahrer, auf und gab direkt die mir mitgeteilte Information weiter, ich sei in 4 Stunden in Luxor.
Nach 4 Stunden war ich überall, nur nicht in Luxor. Dieses teilte ich dem Taxifahrer Telefon mit. Ich sollte nun in Erfahrung bringen ob ich in Qena oder in Safaga sei. Mit Händen und Füßen erfragte ich unseren derzeitigen Aufenthaltsort: Qena. Aha, noch ca. 1 Stunde bis Luxor.
Nach gut 1 Stunde sah ich Schilder mit der Beschriftung: Qena, toll!
Also wieder den Taxifahrer angerufen, der mir wiederum die Frage stellte, wie lange ich denn noch bräuchte. Haha, irgendwie sprach in diesem Bus nun gar keiner mehr Englisch. Ich reichte meine Handy also einfach an meinen Vordermann weiter, die Sache wurde auf Arabisch geklärt.

Nach gut 1,5 Stunden erhielt ich von meinem Vordermann, wie auch dem Ticketverkäufer im Bus, die Info ich sei nun in Luxor.
Da stand ich also in Luxor, oder besser gesagt auf einer Brücke irgendwo im nirgendwo. Glücklicherweise ist man in Ägypten auch auf Brücken nie alleine und es fand sich direkt ein freundlicher Ägypter der per Mobilfunk meinem Fahrer erklärte wo ich zu finden sei. Nur, diese Erklärung war wohl nicht besonders gelungen denn mein Fahrer rief mich nach ca. 10 Minuten an, ich wäre nicht da wo ich sein sollte, er würde mich nicht finden. Mein Telefon wurde also wieder weitergereicht, ging von Hand zu Hand und schon rannte ein Ägypter mit meinem Handy am Ohr auf die Straße. Ich hatte reines Gottvertrauen, blieb entspannt und siehe da, von der anderen Seite kam ein anderer Mann mit Handy am Ohr angelaufen: mein Fahrer.
Dieses Abenteuer hatte ich somit wohl überstanden.

Mein Fahrer wollte mich dann zu einer Wohnung fahren, ich wollte aufgrund meiner ersten Erfahrungen einer Wohnung (ausgewählt durch einen Ägypter) jedoch lieber direkt in das empfohlene Hotel.
Der Fahrer ließ sich nicht erweichen. Wir würden jetzt erst einmal einen Tee trinken, dann würde er mir die angedachte Wohnung zeigen und wenn mir diese nicht gefallen würde, käme ich ins Hotel. Ein Kompromiss, mit dem ich leben konnte.
Nach dem Tee ging es also zu der Wohnung und was soll ich sagen, in diesem Moment hatte ich mich verliebt. Verliebt in Luxor und die Westbank.
Das Haus mit der Wohnung lag direkt am Nil gegenüber vom Luxortempel, im Dörfchen Gezira El Bairat. Toller Blick, tolle Wohnung!!! 

Die Wohnung auf der Westbank
direkt am Nil gelegen

Nachdem ich nun einige Zeit mit meinem Schmuckverkäufer verbrachte, den Luxortempel und den Karnaktempel besichtigte und mit dem Segelboot auf dem Nil unterwegs war, stellte sich doch mein Fahrer als die wirkliche Bereicherung heraus.
Er war pünktlich, zuverlässig und hatte mehr als ein gutes Händchen für seinen anvertrauten Gast. Allein, dass mein Vater Ägypter ist, veränderte wohl alles.
Ich bekam nicht das Touristenägypten geboten, sondern Ägypten.
Gegessen wurde dort, wo die Ägypter essen und zwar Ful, Tamea, Muluchia, etc.



Frühstück auf ägyptisch
 Ich wurde der Familie samt Kind und Kegel vorgestellt, so dass ich einen Einblick in ägyptisches Leben und die Häuser, sowie das Hinterland erhielt. Nebenher wurde ich mit genauer Gebrauchsanweisung zu folgenden Sehenswürdigkeiten gefahren:

- Tal der Könige, mit 4 Gräbern, einschl. dem Grab von Tutanchamun
 

- Tal der Königinnen, mit 3 Gräbern
 
 sowie die Tempel

- Hatschepsut
- Ramesseum
- Medinet Habu
- Siti Tempel

und das koptische Kloster Deir al Shahid Amir Tadros al Muharib.

Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass es für mich einmalig war die Tempel und Gräber fast alleine besichtigen zu können (wer kann schon alleine eine halbe Stunde im Grab von Tutanchamun verbringen, wenn man sonst in einer Warteschlange steht?), mir aber gleichzeitig das Herz blutete, wenn man bedenkt wie viele Existenzen in Ägypten vom Tourismus abhängig sind?
Nach 9 Tagen, ja angedacht waren eigentlich 3 Tage, ging es zurück nach Hurghada, wo ich die letzten Tage verbrachte. Allerdings hatte ich die Wohnung in Hurghada aufgegeben und mich für die letzten Tage im Hotel in El Gouna, wo mein erster Freund seine Arbeit wieder aufgenommen hatte, einquartiert.
So schön es auch ist sich im Hotel verwöhnen zu lassen, die Reise hat mir eines gezeigt: als Individualtourist ist man, mit der richtigen Unterstützung, gut beraten und gut unterwegs.

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