4. August 2013

Anilda Ibrahimi - Rot wie eine Braut

btb - ISBN: 978-3-442-73973-8


Klappentext:
"Die junge Dora hat ihre Heimat Albanien verlassen, um in Italien ein besseres Leben zu beginnen. In der Ferne erscheinen ihr die Erinnerungen an ihre Familie, die in dem kleinen Bergdorf Kaltra seit Generationen ein einfaches und von archaischen Traditionen bestimmtes Leben führt, mit einem Mal wie aus einer anderen Zeit. Doch immer, wenn sie die Truhe öffnet, die ihr von Saba, der Großmutter, geblieben ist, wird die Vergangenheit vor ihren Augen lebendig ..."







Obwohl Albanien in Europa liegt, ist es kein Land über das ich große Kenntnisse besitze. Von daher war es schön ein Buch zu lesen welches den albanischen Alltag über drei Generationen thematisiert. 

Saba, die eigentliche Hauptfigur in diesem Roman wird im Alter von 15 Jahren an Omer verheiratet, um eine sich anbahnende Blutfehde zu verhindern.
Eine ihrer älteren Schwestern, Sultana,  war bereits mit Omer verheiratet, ist jedoch bei der Geburt ihres ersten Kindes mit diesem Verstorben. 
Wie bei arrangierten Ehen der damaligen Zeit eher unüblich, haben Omer und Sultana gelernt sich zu lieben, um so schwerer wiegt der Verlust für Omer, umso schwerer hat es Saba als seine zweite Frau. 
Vom Ehemann, welcher nach dem Tod seiner ersten Frau sehr dem Alkohol zuspricht eher unbeachtet, von der Schwiegermutter aus unbekannten Gründen verachtet. Erst nach der Geburt eines Sohnes wendet sich für Saba das Blatt und sie gewinnt an Zuversicht und Stärke. 

Der Roman setzt sich mit dem Alltag der albanischen Frau auseinander, der Mann spielt eine eher untergeordnete Rolle. Welche Rollen übernehmen Mütter, Schwiegermütter, Töchter, Schwestern und Tanten in einer archaischen Gesellschaft?
Die Autorin verklärt die Geschichte glücklicherweise nicht mit kitschigen Phrasen aus 1001 Nacht. Im Gegenteil, recht spröde passt sich die Sprache dem kargen und islamisch geprägten Land zu Beginn des 20. Jahrhunderts an.

Albanien verändert sich, es wird eine Diktatur, eine kommunistische. Dieser Wandel in welchem das Land verschiedene Stadien durchläuft, kommunistisch, atheistisch bis hin die Moderne, wird im zweiten Teil des Buches aus Sicht von Sabas Enkelin Dora geschildert. 
Das karge und spröde verliert sich, fast humorvoll erleben wir mit Doras Kindheit eine überforderte Generation welche versucht, die alten Regeln des Lebens mit den neuen modernen zu verknüpfen. 

Es ist eine schöne unaufgeregte Geschichte die sich gut lesen lässt. Aufgrund des Klappentextes habe ich jedoch einen Roman erwartet, in welchem Dora den roten Faden darstellt der den Leser durch die Geschichte führt. Der rote Faden aber ist Saba. Für die Geschichte ist es kein Manko, zeigt aber deutlich, dass der Klappentext auch nicht immer hält was er verspricht.

Kommentare:

  1. ...reisen kann man auch ganz gut im Kopf, wenn man es in der Realität sozusagen schon geübt hat: sich mit fremd klingender Sprache, anderen Traditionen, Gerüchen, Essgewohnheiten, Pflanzen, Tieren, Landschaften, Gebräuchen konfrontieren...
    Je mehr ich reise, desto besser scheint mir die "Simulation" beim Lesen von Literatur zu klappen, die in fremden Ländern spielt. ---was nicht bedeutet, dass ich mit dem Reisen aufhören möchte..

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  2. So ist es. Verlässt man urlaubsmäßig den eigenen Kulturkreis kann man sich leichter diesen anderen Kulturen öffnen. Auch die Reisen im Kopf fallen dadurch authentischer und verständlicher aus.

    Ich möchte, so wie du, Beides nicht missen, denn literatische und tatsächliche Reisen ergänzen sich wunderbar.

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