23. September 2013

Selim Nassib - Stern des Orients

Unionsverlag - ISBN: 9783293201408

Klappentext:
"Wenn Umm Kalsums Konzerte im Rundfunk übertragen werden, sind die Straßen von Casablanca bis Bagdad leer gefegt. Könige, Generäle, Dichter und Revolutionäre werben um ihre Gunst. "












Umm Kalsum, oder auch Umm Kulthum, war eine ägyptische Sängerin (geboren irgendwann um 1900 in einem ägyptischen Dorf, gestorben am 3. Februar 1975 in Kairo) und im letzten Jahrhundert im ganzen arabischen Raum berühmt, vergleichbar mit einer Callas in der westlichen Welt. Noch heute spielt man - zumindest in Ägypten - ihre Lieder.

Stern des Orients ist keine Biografie, sondern eine Fiktion. Ein Roman, erzählt aus der Sicht des Dichters Ahmad Rami. Umm Kalsum interpretierte gesanglich 137 von ihm geschriebene Gedichte. 146 Gedichte schrieben andere für sie. 
Umm Kalsum sah ihre Begabung als von Gott gegeben. Zeit ihres Lebens wollte sie singen. Da jedoch eine Frau in der arabischen Welt eher im Hintergrund agiert, musste eine List her. Als Heranwachsende sang sie verkleidet als Beduinenjunge und verstand es bereits in jungen Jahren mit ihrem Gesang zu fesseln.
Später entschloss sie sich aus diesem Schatten heraus zu treten und als Frau auf die Bühne zu gehen. Und die Ägypter liebten sie. Vom ärmsten Bauern, bis hin zum Königshaus lauschte man ihrer Stimme.

Umm Kalsum hat geheiratet. Dies wird im Roman erwähnt, erfährt jedoch keine weitere Beachtung. 
Vielmehr gewinnt man als Leser den Eindruck, sie ist allein mit der Musik verheiratet. Lediglich die Männer, die Gedichte für sie schrieben und die, die sie dann vertonten, schienen ihr von Interesse zu sein.

Es ist die große Schwäche dieses Romans, dass Umm Kalsum ein Stern bleibt. 
Selim Nassib dringt nicht in ihr Leben ein, wirklich biographisches erfährt man als Leser kaum.
Sie wird von der von der kleinen Dörflerin zur Diva, die ihre göttliche Gabe auslebt. Die Einsamkeit, die diese Entscheidung wohl mit sich bringt wird leider nur angedeutet. 
Ebenso die Auseinandersetzung, die es mit ihrem Vater und dem Bruder gegeben haben muss, um als junge Frau, und nicht mehr in der Kostümierung des Beduinen aufzutreten, fehlt mir. Wie konnte Umm Kalsum gerade in dieser von Männern dominierten Welt zum Idol werden?

Und doch erfährt man viel über Ägypten und seine Liebe. Das Buch beschreibt die Ekstase, die Umm Kalsum erzeugen konnte. Die Begeisterung der Ägypter ihr gegenüber und den Patriotismus zum eigenen Land. 
Die Liebe Ahmad Ramis zu seiner "kleinen Dörflerin"ist fast körperlich spürbar. 
Ein Déjà-Vu erlebt man bei der Schilderung des Putsches gegen König Faruk und den Beginn der Militärherrschaft in Ägypten.

Als biografischer Roman hat das Buch vielleicht versagt, als Hommage an den "Stern des Orients" konnte es mich überzeugen.

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