Ägypten unterm Weihnachtsbaum - Teil 2

Bevor der Frühling auch kalendarisch beginnt, wollte ich doch den zweiten Teil meines Berichts über den letzten Ägyptenaufenthalt ins Netz stellen. 

Ich hatte mich im Vorfeld ein wenig gefürchtet über die Weihnachtstage in Ägypten zu bleiben. Ich hatte Bedenken ich würde Weihnachten vermissen. Jetzt weiß ich, ich vermisse es nicht. 
Die Hotels erinnern einen zwar mehr oder weniger kitschiger daran, dass die Christen unserer  Breitengrade Weihnachten feiern (die Kopten feiern erst Anfang Januar), aber das ist auch schon alles. Es schneit in der Regel nicht, es gibt keine weihnachtlichen Stresseinkäufe und die Werbung ballert einen nicht mit diesem Thema zu. Auch mal sehr erholsam. 

Und doch, irgendwie war Weihnachten schön, habe ich doch von einem Moslem ein Geschenk bekommen. Ein Geschenk, welches die meisten Deutschen und ihr ästhetisches Empfinden auf eine wirklich harte Probe stellt. Aber darum geht es bei diesem Geschenk gar nicht. Es geht nicht darum, ob es sinnvoll oder praktisch ist, zum Schreien kitschig, oder so häßlich, dass man es in die Tonne kloppen möchte. 
Ganz ehrlich, für mich ist es wunderschön, denn es ist von einem Moslem. Von einem Moslem, der in den Medien gemeinhin nur noch als blutrünstiges und intolerantes Wesen dargestellt wird. Dieser Mensch islamischen Glaubens hatte für Herrn Papyrus klebrige Süßigkeiten mit viel Kokos und für mich eine blonde Puppe auf einem rosa Pferd, weil wir doch bald Weihnachten feiern würden (zur Erinnerung, ich war kurz vor Weihnachten in Hurghada). Ich sei dabei die Königin auf einem Pferd. In Ägypten sind wohl alle Königinnen blond, auch gut. 


 

Jetzt ziert das Geschenk mein Büro, ein Farbtupfer bei grauem Winterwetter. Alle Kollegen die diese schicke Reiterin in ihrer grellen Farbgestaltung zum ersten Mal erblicken, bekommen ganz plötzlich Schnappatmung.Irgendwie lustig.

Es scheint aber auch ein wenig Vertrauen zurück zu kehren nach Ägypten. In der Gegend in der sich meine gemietete Wohnung befindet sind nicht wenige Häuser im Rohbau, ohne das an ihnen weiter gebaut wird. Eine Fertigstellung also nicht in Sicht. Aber ich konnte in diesen Häusern gut genährte Ägypter in Lederjacke beobachten, die die Häuser in Augenschein nahmen. Investoren? Kaufinteressenten? Ich kann nicht beurteilen, mit welchem Hintergrund die Häuser besichtigt wurden, aber meist wird in eine positive Zukunft investiert. Ein kleiner Hoffnungsschimmer?


Ein weiteres Erlebnis der anderen Art gab es  am Flughafen (ich warte immer noch auf eine Antwort vom Reiseveranstalter. Bisher gab es die Info man müsse den geschilderten Sachverhalt klären, dass bräuche Zeit). Der gemeine Tourist sollte anonym einen Fragebogen ausfüllen zum Thema Tourismus in Ägypten. Wo hat man gewohnt, wie war die Sauberkeit, die Gastfreundschaft, usw.  Zum Schluss die Frage, wie man den Tourismus ankurbeln könnte. Wie wäre es mit mehr Demokratie, weniger Schubladendenken? Aber das ist für den Ägypter aktuell wohl nicht ganz einfach zu verstehen.

 

Da der eigentliche Star des letzten Urlaubs aber Sascha war, hier noch zwei Bilder zum Abschluss:






Kommentare

  1. Seid froh, dass ihr so ein ruhiges Weihnachtsfest feiern konntet. Hier in Bangkok wird man normalerweise mit Weihnachtsbäumen (in allen Farben), Girlanden, Ren-Tieren, Weihnachtsmännern, etc. geradezu bombadiert. Sie haben keine Ahnung worum es dabei geht, aber sie vermuten, dass es irgendetwas mit Sylvester zu tun haben muss. Ausserdem wird man von morgens bis abends gnadenlos mit Weihnachtsmusik beschallt. Und natürlich gesungen von drittklassigen Kinderchören (auf CD), die keinen Ton halten können oder von "lustigen" Walt Disney-Figuren wie Mickey Maus und Donald Duck - auf voller Lautstärke. Dieses Jahr war es dann allerdings wegen der Proteste sehr viel ruhiger, das einzig Gute, was ich den Protesten bisher abgewinnen konnte.

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  2. Die Puppe ist "zum Schreien" - nicht im negativen Sinne, sondern einfach nur soooooo süß, denn sie kam ja von Herzen, von einem muslimischen Herzen...is doch doll ! Würde ich auch niemals wegschmeißen, egal wie kitschig - und blond - sie auch sein mag...:)

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