9. März 2014

Anthony McCarten - funny girl

Diogenes Verlag - ISBN: 978-3-257-06892-4


Klappentext:
Junge Londonerin zu ihren kurdischen Eltern: "Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte: Ich werde Stand-up-Comedian. Die gute: Ich trage ab heute Burka (allerdings nur auf der Bühne)."
So beginnt der provozierende Roman über Anderssein, Humor und Liebe in unserer modernen Gesellschaft.
Ein junge Frau zwischen den Kulturen, so berührend und packend wie sein Bestseller Englischer Harem







Anthony McCarten hat diesen Roman einem Mädchen gewidmet, welches 2009 in Kanada vom eigenen Vater ermordet wurde, mit ihr starben zwei Schwestern und eine Tante. Dieser "Ehrenmord" hatte den Autor berührt, wollte das Mädchen doch nur selbst entscheiden wenn sie liebte.

Der Roman beginnt mit dem Tod von Azimes Klassenkameradin, sie stürzte vom Balkon im 8. Stock. War es Mord, ein Ehrenmord?
Azime wird geplagt von Fragen zu diesem schrecklichen Verbrechen und ihrem Versagen, diesem Mädchen nicht geholfen zu haben.
Was aber hätte sie tun können? Zwanzig Jahre jung und Engländerin, mit kurdischen Eltern, wächst Azime in London auf. Sie erstickt in ihrem Eltenhaus, denn man lebt nach den alten Regeln und Traditionen aus der Heimat. 
Die einzige Waffe die Azime hat um sich zu wehren ist der Humor. Sie erzählt Witze zu allen Gelegenheiten, passenden wie unpassenden. 
Erfolgreich konnte sie so bisher alle Heiratskandidaten, die ihre Mutter für eine arrangierte Ehe organisierte, in die Flucht schlagen. Denn Azime will nur eines, als Individuum leben und dabei respektiert und geachtet werden.  
Und Azime hat nicht nur Humor, sie hat auch Talent. Der erste weibliche muslimische Stand-up-Comedian ist geboren. Um auf die Bühne zu können ohne erkannt zu werden entschließt sie sich, dies in einer Burka zu tun. Ein Geniestreich wie sich herausstellt. 
"Wie nennt man einen Schwarzen, der ein Flugzeug steuert?" "Hör auf? Hör bloß auf. Ich mein's ernst." "Ein Schwarzer, der ein Flugzeug steuert. Na los, wie nennt man den?" [...] "Keine Ahnung. Weiß ich nicht. Sag's mir - wie nennt man einen Schwarzen, der ein Flugzeug steuert?" "Einen Piloten, du rassistische Kuh!"
In die Rassistenfalle des Witzes tabbt nicht nur Banu, die Freundin von Azime, sondern auch der Leser. Azime wird für ihre Auftritte mit dem Tode bedroht, man erwartet als Leser förmlich, dass sie einem Ehrenmord zum Opfer fällt, genau wie ihre Klassenkameradin. Denn so sind doch alle Moslems, oder?

Wie schon in Englischer Harem spielt der Autor die Kulturen gegeneinander aus, koketiert mit bestehenden Vorurteilen und Ängsten. 
Die Tragik die diesen Roman begleitet ist real, wenn sie auch glücklicherweise nicht die einzige Wahrheit ist. Das Buch ist tragisch, in einigen Teilen komisch und letztendlich tatsächlich, Zitat Umschlaginnenseite:  "ganz anders, als man jetzt denkt".
Wer Lust auf sehr gute Unterhaltung mit ernsten Hintergrund hat sollte bedingungslos zugreifen.  

Kommentare:

  1. Gerne. Wünsch dir am besten direkt alle Bücher von ihm.

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  2. Das ist ein schöner Tipp. Englischer Harem hat mir auch schon gut gefallen, da werd ich wohl den Bücherladen aufsuchen...

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    1. Ich bin mal wieder gespannt, ob es dir auch so gut gefällt

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  3. Wie überaus vielversprechend
    Danke!
    Barbara

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  4. Unbedingt, aber ich da vielleicht etwas voreingenommen. Ich mag seine Bücher einfach.

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