6. Juli 2014

Tschingis Aitmatow - Dshamilja

Unionsverag - ISBN: 9783293200012

Klappentext:
1956 verfaßte Tschingis Aitmatow am Maxim-Gorki-Literaturinstitut in Moskau als Diplomarbeit eine Geschichte und gab ihr den Titel "Dshamilja". Seither geht sie um die ganze Welt. Sie ist, wie Aitmatow im Vorwort zu dieser Ausgabe sagt, zur "Gefährtin all jener geworden, die an die Liebe glauben".

"Ich schwöre es, es ist die schönste Liebesgeschichte der Welt."
Louis Aragon (Übersetzer der französischen Ausgabe)







Diese Novelle ist ein Geschenk im doppelten Sinne. Zum einen habe ich sie bei FB vom Unionsverlag gewonnen, zum anderen ist es tatsächlich eine unglaublich schöne Liebesgeschichte.
Auf 95 Seiten erzählt der 15 jährige Seït im Rückblick die Geschichte dieser Liebe seiner Schwägerin. 
Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Ungewöhnlich aber sind Zeit und Ort. Die Geschichte spielt 1943 irgendwo in Kirgistan. Um die ganze Wucht dieser Geschichte besser zu verstehen war das Nachwort von Louis Aragon, dem Übersetzter der Novelle ins Französische, sehr hilfreich wie ich zubegen muss. 
Was wissen wir über diesen Staat in Zentralasien? Nichts. Was wissen wir über diesen Staat vor rund 60 Jahren? Gar nichts. Die Menschen sind geprägt vom Islam und patriarchischen Strukturen. Jeder kennt seinen Platz. Geschuldet waren diese Traditionen wohl auch dem kargen Leben in dieser Region.
Nun herrscht Krieg und der Mann der jungen Dshamilja ist wie andere Männer als Soldat an irgendeiner Front. Die Frauen rücken auf. Erledigen die Arbeit der Männer und wehren sich gegen die Daheimgebliebenen. Ein Soldat kehrt zurück. Er wird aufgenommen, scheint er doch im Tal zu Hause, also zur Familie zu gehören. Doch er ist anders, in sich gekehrt, mag über das Erlebte im Krieg nicht reden. Und doch trägt er eine große Liebe im Herzen. Eine Liebe die Dshamilja und Seït eines Tages in Form von Gesang zu hören und zu fühlen  bekommen. 

Das Buch behandelt nicht nur die zwischenmenschliche Liebe, auch der Hinwendung zur Kunst wird eine Stimme gegeben. Denn der Drang sich auszudrücken mit Gesang, mit der Malerei, ist ebenfalls eine Art von Liebe. 
Dshamilja trifft eine Entscheidung. Eine Entscheidung die wohl manch einer Heutzutage nicht treffen würde. Denkt man an die Zeit und den Handlungsort dieser Geschichte, offenbart diese Entscheidung eine Liebe die wirklich wunderbar sein muss. 

Vielleicht ist uns tatsächlich ein wenig das Gespür abhanden gekommen, vielleicht hat sich die Welt in den letzten Jahren zu sehr verändert. Ich weiß nicht, ob man ohne das Nachwort von Louis Aragon die wahre Größe dieser Liebe noch verstehen würde. Ein großes Dankeschön hierfür. 

Die Geschichte hat sogar einen Eintrag bei Wikipedia erhalten. Klick, aber Achtung Spoiler!
Das Buch ist nur noch gebraucht erhältlich.

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