29. Dezember 2014

Amanda Sthers - Die Geisterstraße

Luchterhand - ISBN: 3630621074

Klappentext:
"Simon und Alfred sind die letzten beiden Juden in Kabul und sie mögen sich nicht. Sie haben sich miteinander arrangiert, um wenigstens in bescheidenem Maße die jüdischen Feste und Riten aufrecht zu erhalten. Über die Jahre sind sie dabei ein wenig kauzig geworden. Doch als die junge Afghanin Naema Alfreds Hilfe sucht, weil sie von einem amerikanischen Journalisten geschwängert wurde, bricht wieder Leidenschaft in ihr Leben. Verzweifelt versuchen sie, Naema zu retten ..."








Mit Amanda Sthers hat das Jahr begonnen, mit ihr endet es.

Im Gegensatz zu diesem Erstling "Die Geisterstraße" war Schweine züchten in Nazareth gerade zu lustig und amüsant.
Simon, der in Kabul lebende Jude schreibt im Rückblick die Ereignisse die zum Tode Alfreds geführt haben. Dem einzigen weiteren Juden in dieser Stadt.
Naema, eine junge Afghanin, wird von Peter, einem amerikanischen Journalisten, geschwängert. Ein Umstand der in einem Land wie Afghanistan zum Tode führen kann.
"Dass sie sterben musste, weil sie lebendig gewesen war. Weil sie einen Mann begehrt hatte, weil sie hatte, weil sie war?"
Als Analphabetin ist Naema auf Hilfe angewiesen. Hilfe die Alfred, der Schreiber, leisten kann. Sie schreiben einen Brief an Peter sie zu holen, und eine Zeit des Hoffen und Bangen beginnt.
Dieser Brief wird Peter nicht pünktlich erreichen, seine Frau Jenny fängt ihn ab und das Schicksal nimmt seinen Lauf.

Vordergründig gibt es in dieser Geschichte keine Gewinner. Naema wartet auf Peter und spürt verzweifelt ein Leben in sich heranwachsen. Vielleicht die schönsten Monate ihres Lebens. Ein Glück welches nicht lange anhält. Es ist der Wahn, die Verblendung über Reinheit und Ehre, die diesem Glück ein Ende setzten wird.

Ist es ein anderer Wahn, der von Jenny Besitz ergreift? Der Brief von Naema lässt sie in den Wahnsinn gleiten, dabei liebt sie ihren Mann Peter, mit dem sie zwei Kinder hat, noch nicht einmal übermäßig. Sie versteckt den Brief in einem Schließfach, ohne ihren Mann zur Rede zu stellen, ohne sich Gedanken zu machen über das Schicksal einer unverheirateten schwangeren Frau in Afghanistan. 

Als Leser ist man regelrecht fassungslos über Jennys Verhalten. Sie sitzt in Amerika, in dem Teil der Welt in dem fast alles möglich ist. In einem Land in dem die Rechte des Individuums, die Rechte der Frau, sich nicht nach dem Manne und seiner Idee des Glaubens richten müssen. Und doch ist Jenny nicht in der Lage dieses Recht für sich in Anspruch zu nehmen.

Die Umstände wirken dabei schon fast absurd. In Afghanistan ist eine junge Frau die leben will und es nicht darf. In Amerika ist eine Frau die leben darf und es nicht will.
Ein Buch über Fanatismus, Freundschaft und eine zarte Pflanze namens Liebe. Ein Buch welches ich sehr gerne weiterempfehle, auch wenn es eine traurige Lektüre ist.  


"Ich weiß  nicht, ob es Gott gibt, aber wenn ja, 
dann hoffe ich, er hat eine gute Entschuldigung."
Woody Allen



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