1. Februar 2015

Tahar Ben Jelloun - Zurückkehren

Berlin Verlag, ISBN: 978-3-8270-0905-0


Klappentext:
Sein Leben lang arbeitet Mohammed bei Renault in Paris. Seine Kinder sind im entfremdet, er hat sie an Frankreich verloren. Und er hat nur noch einen Traum: in seiner Heimat Marokko ein Haus zu bauen, in dem er seine Familie wieder zusammenführen kann. 












Frankreich ist nicht meine Heimat, von daher kenne ich die innerpolitischen Probleme des Landes nicht im Detail.  Der Islam ist nicht meine Religion, auch hier bin ich als Außenstehende unterwegs. 
Trotzdem ist dieser nur 143 Seiten starke Roman gut verständlich und sehr lesenswert. Die Originalausgabe erschien 2009 in Frankreich, gerade aktuell das Attentat in Paris macht deutlich wie aktuell und wichtig die Auseinandersetzung von und mit Migranten ist. 

""Hast du diesen Schweinehund gesehen, der unseren Propheten - Gottes Segen sei mit ihm - mit einem mit Bomben gepickten Turban gezeichnet hat?" [...] Mohammed hätte gerne darauf geantwortet [...] dass es Idioten wie er sind, die den Dschihad herbeiloben und von Paradies und Märtyertum schwafeln."

Mohammad, ein junger Marokkaner, kommt 1962 mit seiner Frau als Gastarbeiter nach Frankreich. 40 Jahre arbeitet er am Fließband bei Renault.  Integration ist nicht seine Stärke, Fanatismus ebenfalls nicht. 
Das Buch beginnt mit Mohammeds Erinnerungen an seine Pilgerreise nach Mekka. Die Heiligkeit des Islam erblasst angesichts der Brutalität und Verrohung der Gläubigen auf der Suche nach Segen und Heimsuchung.

"Die Schwächeren starben, lagen am Boden, in Staub und Blut, nicht eines Blickes, eines letzten Gebetes würdig. Solche Szenen waren unvermeidlich an diesem Ort, der in wenigen Tagen von mehr als zwei Millionen Gläubigen heimgesucht wurde; sie wuschen sich dort von ihren Sünden rein und fuhren danach zufrieden und erfüllt von den Tugenden ihres Glaubens nach Hause. Das war kein schöner Anblick."
"[...] "keine Zeit zum Nachdenken, hier ist es sowieso nicht ratsam zu denken, hier gibt man sich Gott hin, kein Zögern, kein Zweifeln, man gehört Gott und er tut mit einem, was er will, verstehst du mein Freund?" Mohammed fand es übertrieben und sogar babarisch [...]"
Mohammad ist ein einfacher Mann, der weder lesen noch schreiben kann, ganz in seiner Arbeit aufgeht und nun vor der Rente steht. Diese Einfachheit ist zugleich seine Stärke und seine Schwäche, sie macht ihn menschlich. Er ist nicht fundamentalistisch, jedoch setzt er sich nicht kritischen mit Kollegen und Freunden auseinander, mögen deren Meinungen auch noch so Verquer sein. Eine Annäherung an Frankreich, immerhin seine neue Heimat, findet ebenfalls nícht statt. 
Er und seine Frau haben vier Kinder, zwei Söhne, zwei Töchter, die er alle an Frankreich verloren hat, wie Mohammad es ausdrückt. Er verkennt, dass seine Kinder eben nicht Fremde in ihrer neuen Heimat sind, sie haben sich integriert. Frankreich ist ihr Zuhause. Sie haben Berufe, verheiraten sich mit anderen Europäern.Ob Christentum oder Islam, es spielt in ihrem Leben keine Rolle.
Nur sein Neffe Nabile, welcher als Kind mit Downsyndrom als sein Sohn ebenfalls in Frankreich aufwächst, bereitet ihm Freude. 
Genau an Nabile zeigt sich die Schwäche in seinem Denken. Marokko, seine Liebe, seine Heimat, in welcher jeder Urlaub verbracht wird, lässt solche Menschen verkommen. Für Behinderte gibt es keine Hilfen, keine Schulen, keine Sonderpädagogik. Auch hier, keine Reflektion und kritische Auseinandersetzung.
 
Als Rentner schmiedet er nun Pläne. Zurück in seinem Heimatdorf wird er ein Haus bauen, welches die gesamte Familie, gemäß alter Tradition, wieder einen wird. Er bespricht seine Pläne weder mit seiner Frau, noch mit seinen Kindern. Ist dies nun tatsächlich seiner Tradition und dem Glauben, oder dem Altersstarrsinn geschuldet? 
Es ist wohl eine Mischung aus allem, mit einem klaren Ausgang. Das Haus, eine architektonische Sünde in der Landschaft, ohne Strom und Wasser, ist fertig,  seine Kinder jedoch werden nicht kommen. 

 
Tahar Ben Jelloun, in Markokko geboren und nach Frankreich emigriert, ist wohl zurecht ein Wanderer zwischen den Welten. Er kennt beide Sichten auf die Welt und macht sie in seinen Romanen verständlich. Seine Bücher werden in zahlreiche Sprachen übersetzt, zudem erhielt er einige Literaturpreise. 




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