20. April 2015

Susan Abulhawa - Während die Welt schlief

Diana-Verlag - ISBN: 978-3-453-35662-7



Klappentext:
Jenin im Blumenmonat April: Früh morgens, bevor die Welt um sie herum erwacht, liest Amals Vater ihr aus den Werken großer Dichter vor. Es sind Momente des Friedens und der Hoffnung, die Amal ihr Leben lang im Herzen trägt - ein Leben, das stets geprägt ist vom scheinbar ausweglosen Konflikt zwischen Israel und Palästina.Über vier Generationen erzählt Susan Abulhawa eine tief berührende Geschichte über den Verlust der Heimat, eine zerrissene Familie und die immerwährende Hoffnung auf Versöhnung. 












Susan Abulhawa, selber ein Kind palästinensischer Flüchtlinge, hat einen Familienroman über den Nah-Ost-Konflikt geschrieben. Ein Romanen aus palästinensischer Perspektive, ohne antisemitische Tiefschläge, im Gegenteil.
Der Leser taucht ein in 60 Jahre Geschichte Palästinas und begleitet die Familie um das Mädchen Amal von 1941 bis 2002. 
"So entstand im Schatten des europäischen Nazismus und trotz der wachsenden Kluft zwischen Arabern und Juden in Palästina eine Freundschaft, die sich dank jugendlicher Unschuld, dank des Rückzugs in die Literatur und eines Desinteresses an Politik vertiefte."
Die Geschichte beginnt leicht, spielerisch und orientalisch angehaucht um dann regelrecht ungemütlich zu werden. Das sorglose Leben wird plötzlich bestimmt von Vertreibung und Enteignung und der immerwährenden Hoffnung alles möge wieder gut werden.

Die Autorin hat der Familie viele Schicksalsschläge zugetraut. Ob eine Familie in dieser Region tatsächlich so viel Elend erleidet vermag ich nicht zu beurteilen, soll aber in diesem Zusammenhang gar nicht zur Debatte stehen. Es scheint mir vielmehr ein Versuch verschiedene Konstellationen von Unglück eines Palästinensers zu beschreiben, bzw. in den Fokus zu rücken. 
"Aber das Herz muss trauern. Manchmal verwandelte sich der Schmerz in Freude. Und manchmal konnte man den Unterschied nicht erkennen. Für die Generationen, die in den Flüchtlingslagern geboren wurden, war die Sehnsucht nach dem Tod der einzige Ausweg aus dem Schmerz. Der Tod war das Leben, das Leben war der Tod. Als Amal jung war, wollte sie eine Märtyrerin werden." 
"Huda wollte für ihr Leben gerne am Strand sitzen. "Bloss sitzen," sagte sie, ..."weil ich doch nicht schwimmen kann." Diese Worte habe ich niemals vergessen. Die Bescheidenheit ihres größten Wunsches bringt mich noch heute zum Weinen."
Es geht aber nicht nur um äußeres Unglück, hervorgebracht durch die israelische Siedlungspolitik und das Verhalten des Westens, es geht ebenso um das kleine, das familiäre Unglück. 
Dalia, die Mutter Amals, kann ihrer Tochter ihre Liebe nicht zeigen. Zu groß ist ihr eigenes Trauma, zu groß ihre eigenen Verluste. Ihr jüngster Sohn kommt ihr bei der Vertreibung aus ihrem Dorf abhanden. Wie der Leser später erfährt, wächst er als Sohn in einer israelischen Familie auf. Ein Palästinenser, aufgewachsen als israelischer Jude. Geschickt stellt Susan Abulhawa in dieser Sequenz die ewige Frage "was wäre wenn".
"Wir alle werden mit den größten Schätzen geboren, die wir im Leben haben können. Einer dieser Schätze ist dein Verstand, ein anderer dein Herz."
Ein Buch welches einen anderen Blick auf den immer noch aktuellen Konflikt im Nahen Osten wirft und die Rollen von Tätern und Opfern gehörig durcheinander wirbelt. Nicht unbedingt eine Wohlfühllektüre, aber meines Erachtens sehr lesenswert. 


Dieses Buch hat es gleichzeitig in die Kategorie "Buch des Monats" auf niwibos Blog geschafft. Das Blog erreicht man wenn man auf das Foto klickt.






Kommentare:

  1. Das Buch hatte ich auch schon in der Hand, habe es aber wieder weggelegt.
    Es erschien mir ein wenig schwer und langatmig.
    Aber so, wie Du es schilderst, hört es sich doch ganz gut an.
    Danke Dir fürs Verlinken und liebe Grüße
    Nicole

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    1. Nö, als schwer und langatmig würde ich es auf keinen Fall beschreiben.

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  2. Das klingt interessant. Ich würde gerne mal etwas aus palästinensischer Sicht lesen, da ich eher die andere Seite kenne und Romane solch eine tolle Möglichkeit sind, ein Thema neu zu erleben :)

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    1. Genau, man kann Geschichte mit Romanen erleben, wenn auch immer nur eine Idee davon. Eine andere Meinung zu dem Buch interessiert mich schon.

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  3. Ich habe das Buch zum Geburtstag geschenkt bekommen und jetzt nach deiner Rezension habe ich auch richtig Lust bekommen, es zu lesen.
    Es wandert also auf meinem Lesestapel ganz nach oben. :-)
    Liebe Grüße,
    Kerstin M.

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    1. Prima, dass es auf dem Lesestapel nach oben gerutscht ist. Deine Meinung zu der Lektüre würde mich dann wirklich interessieren.

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  4. ist doch glatt auf meine Wunschliste gewandert! klingt nach einem tollen buch!

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  5. Ich freu mich auf deine Eindrücke, gehe aber stark davon aus, dass es dir gefällt.

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