7. November 2015

Zoë Ferraris - Wüstenblut

Piper - ISBN: 978-3-492-30686-7

Klappentext:
Ibrahim Zahrami von der Mordkommission Dschidda steht vor einem Rätsel: Ein Beduine hat der saudi-arabischen Wüste ein geheimes Grab entdeckt. Neunzehn Frauen fanden auf mysteriöse Weise den Tod. Ein Serienmörder muss vollkommen unbemerkt über mehrere Jahre sein Unwesen getrieben haben. Gleichzeitig plagt Zahrami privat noch eine andere Sorge: Seine Geliebte, die Undercover-Agentin Sabine Gampon, ist spurlos verschwunden - und er kann nichts tun, um sie zu retten, da auf Ehebruch die Todesstrafe steht ...











Zoë Ferraris hat ein Jahr lang in einer streng gläubigen Gemeinde in Dschidda, Saudi-Arabien, mit ihrem Mann, einem Beduinen, gelebt. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass wir in den Genuss ihrer Kriminalromane mit dem eher ungewöhnlichen Schauplatz in Saudi-Arabien kommen.  
Nach Die letzte Sure und Totenverse ist dies ein Roman der ohne das Ermittlerpaar aus den vorgenannten Romanen auskommt. 
Spielt in diesem Buch der Krimi für mich eine eher untergeordnete Rolle, so ist das Buch durch seinen Blick in die saudische Gesellschaft aber mehr als spannend. Fast spielerisch gelingt es der Autorin eine, dem westlichen Leser, fremde Welt zu öffnen, ohne zu verkitschen oder zu verurteilen.
Man wird als Leser Zeuge über das Leben in einem Land welches keine Privatsphäre zulässt, in welchem Frauen und Männer unter strenger Beobachtung stehen. 
Über das Leben der Frauen in Saudi-Arabien ist bekannt, dass die herrschende Elite ihnen keinerlei Rechte einräumt. Die Probleme von Männern jedoch, die es wagen sich, als auch den Frauen, ein wenig mehr Freiräume zu gönnen, waren bisher eher unbekannt. Erst durch Raif Badawi sind sie in den westlichen Fokus gerückt. 
Ibrahim Zahrami ist so ein Mann. Gefangen in einer unglücklichen Ehe findet er sein Glück in einer außerehelichen Beziehung. Die Darstellung seiner Zerrissenheit nach dem Verschwinden seiner Geliebten, diese zu suchen, ohne ihr Leben aufs Spiel zu setzen, ist gelungen. 
Das unglückliche Leben mit seiner Frau macht ihn sensibel für das Unglück seiner Schwiegertochter. Aus kleinsten Gesten setzt er ihren Scherbenhaufen zusammen.

Aber auch beruflich hat er zu kämpfen. Gegen Mitarbeiter die in ihrer Unfähigkeit, durch das bestehende System geschützt, Schlüsse in einem Mordfall ziehen, die es gar nicht gibt, als auch für Katya Hijazi. Eine weibliche Mitarbeiterin, die sachlich und analytisch an den bestehenden Fall herangeht, und somit mehr als einmal in patriarchalen Strukturen auf Widerstand und Probleme stößt. 

Allein die Beschreibungen des Alltags in Saudi-Arabien machen Wüstenblut zu einer spannenden Lektüre. Verständnis entwickelt man für diese Gesellschaft wahrlich nicht, aber man begreift das Dilemma in welcher sie steckt. 

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