28. Januar 2016

Tom Robbins - Salomes siebter Schleier

ISBN: 978-3-86615-930-3


Klappentext:
Ellen Cherry zieht mit ihrem wuchtigen Ehemann Boomer nach New York, um dort als Künstlerin zu leben. Doch die Dinge entwickeln sich anders als gedacht. Während Boomer mit seinem seltsam umgestalteten Wohnmobil bald als origineller Künstler gefeiert wird, arbeitet Ellen Cherry als Kellnerin im Isaac & Ishmael's. Das Restaurant liegt gegenüber dem New Yorker UNO-Gebäude und wird von einem Juden und einem Araber geführt. Kein Wunder, dass es rasch Komplikationen und Brandanschläge gibt.









"Wer auf ein Leben nach dem Tod setzt, verneint das Leben. Wer sich auf den Himmel konzentriert, schafft die Hölle."

Das war nach Pan" Aroma" und "Völker dieser Welt, relaxt!",  mein dritter Roman von Tom Robbins und ich bin wieder einmal absolut begeistert. Wie für die anderen Bücher des Autors gilt auch hier, dass eine ordentliche Zusammenfassung, bzw. Inhaltsangabe, irgendwie unmöglich scheint.
Wie sollte diese auch ausfallen, bei einer Story um eine schmutzige Socke, einer Dose Bohnen, einen Dessertlöffel, einen uralten bemalten Stab und eine ebenso alte Muschel, auf dem Weg nach Jerusalem?

Aber auch menschliche Figuren eilen der Story zu Hilfe unter den sieben Schleiern. Ellen Cherry, die, statt als Künstlerin Karriere zu machen, ihr Dasein als Kellnerin im I & I fristet und ihr Mann, Boomer, von Hause aus Schlosser, der durch den Wohnwagen, den er zum fahrenden Truthahn umgebaut hat, zum anerkannten Künstler wird. Oder Turn Around Norman, der jeden Tag nichts anderes tut als sich fast unmerklich um seine eigene Achse zu drehen. Ein Künstler?

Im Großen und Ganzen geht es in dem abstrusen Roman um religiöse Konflikte, Fundamentalismus, den mittleren Osten und Kunst. 
Und statt einer Zusammenfassung müssen ausgewählte Zitate die Richtung weisen: 

"Vor dem Islam dachten die Ägypter nur an die Unsterblichkeit. Seit dem Islam denken sie nur an das Leben nach dem Tod."

"Sie sah, dass die Vergangenheit eine Erfindung jüngsten Datums war, dass Menschen die Gegenwart einer Zukunft opferten, die nie wirklich kam, dass diejenigen, die all ihre Träume auf ein Leben nach dem Tod bezogen, nicht mal eines vor dem Tod hatten."

Das Lesen war wieder einmal das pure Vergnügen. Hier ist der Weg das Ziel, wobei immer wieder philosophische Gedanken zu dem altbekannten Thema "Gott und die Welt" stattfinden. Hinzu kommt Fundamentalismus jeder Gesinnung, egal ob christlich oder muslimisch. Eine literarische Auseinandersetzung zu einem momentan mehr als aktuellen Thema, unglaublich unterhaltsam verpackt. Umso erstaunlicher, dass dieses Buch bereits 1990 erschienen ist.

"Mit dem Hammer leerer Phrasen und den Nägeln des Dogmas haben wir gekreuzigt und immer wieder gekreuzigt und versucht, das flüchtige Licht der Welt auf unseren unverrückbaren Altären festzunageln. Und so gab die Religion falsches Zeugnis ab vom Göttlichen, Religion war Blasphemie. Und als sie erst in ihre unheilige Allianz mit der Politik eingetreten war, wurde sie zur gefährlichsten und repressivsten Macht, die die Welt je gesehen hatte."




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