24. März 2013

Aus und vorbei. (M)eine Buchhandlung schließt ihre Pforten

Ein persönlicher Rückblick

Am 23.04.2003, am Welttag des Buches, öffnete Buch Habel seine Niederlassung in Krefeld. Verrückt, mag manch einer gedacht haben, gab es nun in der Fußgängerzone in unmittelbarer Nähe gleich zwei gigantische Buchgeschäfte. Aber es funktionierte. Lag es daran, dass jedes Geschäft seine treue Kundschaft gefunden hatte und Krefeld unglaublich verrückt nach Büchern ist, an der Größe der Konzerne? An was auch immer, es schien zu funktionieren. 
Mein Favorit war schnell gefunden und ich blicke auf wunderbare 10 Jahre in meiner Lieblingsbuchhandlung zurück, die bestimmt nicht ganz unschuldig ist an der Größe meines SuBs, dem Stapel ungelesener Bücher. 
Es ist wie es ist, viele Frauen sind verrückt nach Schuhwerk und Bekleidung, mein Herz schlägt höher erblickt es eine gut sortierte Buchhandlung. 
Buch Habel war der Grundstein meine Meinung zu einem Buch in Wort und Schrift zu fassen, entstand mein erster Beitrag in dieser Richtung aufgrund des Projektes "Krefeld liest". War ich erst etwas zurückhaltend und traute mich nicht, siegte letztendlich die Gier für ein kostenloses Buch und ich erhielt mein erstes Rezensionsexemplar.


In der Buchhandlung wurde es sehr schnell persönlich und freundschaftlich, ohne dass die Kompetenz verloren ging. Die Beratung fand von ausgebildeten Buchhändlerinnen statt, in manch einer großen Buchkette heute schon fast eine Rarität und dabei so wichtig.
Ich bin ein visueller Buchkaufkunde. Gibt es kein bestimmtes Buch welches ich kaufen möchte, schlendre ich gerne durch die Taschenbuchabteilung, sammle mir einen kleinen Stapel von Büchern und begebe mich dann zu den Buchhändlerinnen meines Vertrauens um mit der eigentlichen Auswahl zu beginnen. 

Ein Nicken wie auch ein Kopfschütteln konnten für so manch einen Buchkauf entscheiden sein, wie auch der Hinweis einer Buchhändlerin ihrem Mann habe das Buch gefallen. Ihr Mann und ich hatten im Bereich Buch den gleichen Geschmack. Ein Luxus den ich wohl erst einmal vermissen werde.

Einiges fällt mir noch zu erzählen ein. Es gab Lesungen und Signierstunden, wobei wohl gerade Bernhard Hennen viele Stunden während der Herausgabe seiner Elfentrilogie (die dann doch eine Tetralogie wurde) bei Habel verbrachte. Ich weiß nicht mehr genau wieviele Signierstunden und Lesungen er dort hielt, ich war bei Einigen. 

 
  
Aber auch andere Lesungen wurden besucht. Die Tasse auf meinem Bild hat auch eine kleine Geschichte. Wer bekommt schon zu Weihnachten ein Geschenk von seinen Buchhändlerinnen? Das war der Zeitpunkt an dem ich wirklich meinen Konsum überdachte, zumindest für ein paar Minuten.


Es  gab noch weitere Veranstaltungen wie den Bücherfrühling und den Bücherherbst. Die Buchhändlerinnen aus diversen Abteilungen stellten ihre Lieblingsbücher vor. Eine Veranstaltung die sogar eine interessierte Freundin aus Oberhausen anlockte. Muss ich noch erwähnen, dass ich meinen Geburtstag einmal bei einem Bücherherbst verbrachte und prompt einen Blumenstrauss aus eben diesem Grund erhielt? Mir wird bei der Erinnerung daran immer noch ganz warm ums Herz. 

Und die ganzen Veranstaltungen um die Erstveröffentlichung der "Harry Potter" Bücher mit Zauberern und wer weiß was noch. Da erwachte sogar mein kindliches Herz. Ich habe heute noch den Karton vom "Harry Potter und der Halbblutprinz", beschriftet mit "Erstverkaufstag 1. Oktober 2005." Eine Rarität. Nicht wichtig, aber egal. 

2009 / 2010 war das Jahr in welchem Habel zu Hugendubel wurde. War das der Anfang vom Ende? Ich enthalte mich, gab es doch in der Fachpresse einiges zu diesem Thema zu lesen. 

Ich weiß gar nicht warum, aber irgendwann hatte ich die Fülle der Bücher einmal fotografisch festgehalten, umso mehr schmerzte es gestern "Auf Wiedersehen" sagen zu müssen. Ein paar Eindrücke:





Vorher
nachher






So manch ein Kunde versteht es nicht, aber dem ist tatsächlich so.

Ja, es ist tatsächlich nicht wichtig ob eine Buchhandlung schießt, aber ich war hier gerne Kunde und es wird doch wichtig, wenn man weiß, dass noch nicht alle eine neue Stelle gefunden haben somit in eine ungewisse Zukunft schauen. Ich drücke euch die Daumen und sage nochmals Danke Danke Danke für viele schöne Bücher und eine schöne Zeit als Kundin in dieser Filiale. 

Ein Trost für mich, obwohl ist es wirklich ein Trost? Ich spare ab jetzt eine Menge Geld und mein SuB wird von nun an langsamer wachsen. 


Die besten, fachlichsten und kompetentesten Beraterinnen in Sachen Buch die man sich wünschen kann

 

Kommentare:

  1. Es ist immer schade, wenn ein Geschäft schließt, in das man gern gegangen ist. Es ist, als wenn man ein Stück von sich Selbst verliert.

    Ich bin zu weit von meinem Lieblings-Bücherladen weggezogen. Seitdem irre ich herum
    Liebe Grüße
    Elsbeth

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    1. Das steht mir nun wohl auch bevor. Herum irren auf der Suche nach dem perfekten Buchgeschäft. Hm.

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  2. Liebe Papyrusrolle!
    Fühl dich bitte an dieser Stelle - weil ich um die Innigkeit deiner Beziehung mit Habel, dem scheinbar für dich personifizierten Buch, weiß - tröstend gedrückt. Ich fühle mit dir. Ich habe auch immer gehabelt, wenn es irgendwie ging...

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    1. Ich fühle mich tröstend gedrückt. Ich danke dir.

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  3. Ach ist das traurig. .. Das war noch eine Buchhandlung mit Herz und man fühlte sich als Kunde gut aufgehoben. Ich habe noch keine Alternative gefunden.

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    1. Falls sich eine Alternative findet bitte ich um direkte Info.

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  4. Das ist schade. Man merkt dem Bericht an, dass Du den Laden sehr mochtest. Ich wünsche Dir bald einen schönen neuen Buchhandel - vielleicht einer der Läden, in der Deine Lieblingsberaterinnen demnächst arbeiten?

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  5. Wenn es denn so einfach wäre. Bisher hat noch keine in Krefeld eine Anstellung in einer anderen Buchhandlung gefunden. Eine Buchhändlerin die schon eher gehen musste arbeitete tatsächlich eine Zeit lang in einer Buchhandlung in meiner Nähe, leider stimmte die Chemie nicht und sie hat die Stelle gewechselt. Ich müsste wohl nach Gladbach oder Düsseldorf. Mal schauen.

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  6. Schade, liebe Papyrus. Ich weiß, wie sehr Du diesen Laden geliebt hast. Wir haben da zusammen ja einige schöne Stunden verbracht. Jetzt ist es vorbei - aber immer, wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine neue (Buchladentür).

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  7. Noch habe ich die neue Buchladentür nicht gefunden, aber ich bin geduldig. Schön, wieder mal was von dir zu hören.

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