28. Juli 2013

Nasr Hamid Abu Zaid - Ein Leben mit dem Islam

Herder - ISBN: 3-451-05727-1

Klappentext 
"Einer der herausragendsten Köpfe der islamischen Welt, der den gefährlichen Versuch unternahm, den Koran für die Moderne zu öffnen, erzählt sein Leben: Von der Kindheit in einem ägyptischen Dorf bis zur Fatwa, die ihn ins europäische Exil trieb: "Ein tiefgläubiger Mensch, den von engen Schriftgelehrten verketzert wird - das ist Abu Zaid. Dass der deutsche Leser hier in seinen eigenen Worten etwas aus seinem Leben erfahren kann, ist ein ungewöhnlicher Glücksfall!" (Annemarie Schimmel)

Nasr Hamid Abu Zaid, geb. 1943, einer der bedeutendsten islamischen Denker, dessen Thesen zum Koran und modernen Islam ihm den Vorwurf der Ketzerei und zahlreiche Morddrohungen eingebracht haben. Professor für Islamwissenschaften im holländischen Leiden."






"Ich glaube, nur wenn man die arabische Welt aus eigener Anschauung kennt, wenn man lange Jahre in ihr gelebt hat, kann man die Einseitigkeit und das Ausmaß der meist unbewußten, oft genug jedoch mutwilligen Verfälschungen ermessen, die in der Berichterstattung über den Nahen und Mittleren Osten vorliegt."
Tatsächlich erlebt der Leser alleine dadurch, dass der Autor aus Ägypten kommt und somit seine ägyptischen Lebenserfahrungen mit dem Islam schildert, eine Authentizität die das Buch für den westlichen Leser so wertvoll und lesenswert macht. 
Abu Zaid beschreibt seine Kindheit in einem kleinen Dorf namens Quhafa, irgendwo im Nildelta zwischen Kairo und Alexandria. Das Leben ist geprägt vom Islam, jedoch in einer anderen Art und Weise wie er heute praktiziert wird. Ein Islam der das menschliche Miteinander, gar die soziale Verantwortung untereinander, regelt, in einer Zeit in der es sogar normal war, dass Muslime auf koptische Schulen gingen. 

Ein Manko der arabischen Kultur ist die Kultur des Hörens. Die Tradition kennt Sprüche wie "Nimm dein Wissen nicht von einem Schreiber" und "Dass das Wissen im Kopf ist und nicht im Heft".
Wie aber soll man etwas reflektieren, wenn man mit Auswendig lernen beschäftigt ist?
Dabei lehnt Abu Zaid das Auswendiglernen nicht ab, erklärt er doch, dass es mehrere Arten geben muss sich dem Koran zu nähern. Zum einen die, die auch die Christen mit der Bibel pflegen, also eine die Texte hinterfragt und interpretiert. Als auch die Spirituelle in welcher der Koran reztiert wird, führt doch diese Art das Herbeirufen des göttlichen Segens. 

Es wird anschaulich dargestellt in welcher Krise der Islam steckt und dass die Hinwendung  zu einer Verschmelzung von Religion und Staat historisch nicht zu belegen ist, sondern im  mangelhaftem Selbstbewußtsein aufgrund historischer Niederlagen der arabischen Welt zu suchen und zu finden ist, wie auch in der Politik.
Das Buch ist 2001 auf deutsch erschienen, fast hellseherisch mag es anmuten, dass Abu Zaid eine Demokratie verlangt um gegen Islamismus vorzugehen, wobei er auch den Westen angeklagt, welcher Diktatoren unterstützt und somit eine Bevormundung der arabischen Welt zulässt. 

Gerade aktuell zu den Vorgängen des arabischen Frühlings erhalten diese Zeilen eine erschreckende Aktuallität.
Leider ist der Autor im Jahr 2010 gestorben, eine Einschätzung der aktuellen Lage wäre von diesem Koranforscher und Literaturwissenschaftler mehr als interessant gewesen.  

Zwischendurch wird die Lektüre für mich etwas schwierig, da Abu Zaid islamische Persönlichkeiten einbringt oder zitiert, die hier nicht bekannt sind. Nachdem ich den Versuch eingestellt habe diese genannten Persönlichkeiten zu dem Gelesenen zu "ergoogeln" wurde es wieder einfacher. Es funktioniert auch ohne Kenntnis der genannten Personen. 

Im letzten Drittel wird es persönlicher. Man kann erahnen wie schwer es ihm fiel der Behauptung ausgesetzt zu sein, er sei 'vom Glauben abgefallen' und mit seiner Frau ins Exil gehen zu müssen. Galt doch seine Liebe Ägypten, auch wenn Freunde im Exil ihn mit offenen Armen empfangen haben und er weiter seinen Beruf ausüben konnte.
"Ich wollte von meiner Heimat (Ägypten) keinen Dank. Ich wollte, dass sie mich in den Armen hält, bis ich sterbe. Ich wollte bis zu meinem Tod lehren. Das ist der Traum, den zu verwirklichen mir die Heimat verweigert hat."


Gemäß Wikipedia ist Nasr Hamid Abu Zaid 2010 in Kairo gestorben, allerdings kenne ich keine weiteren Einzelheiten mit den Umständen die dazu führten, dass er nun doch in Ägypten gestorben ist. 

Hier noch ein interessanter Artikel über Nasr Hamid Abu Zaid

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