Ägypten unterm Weihnachtsbaum - Teil 1


Das letzte Quartal 2013 bot für mich einige Tiefen, wovon ich diverse Nachwehen bis heute spüre, aber egal. Grund genug, Ruhe finden zu wollen um wieder Atmen zu können
Eine Woche Urlaub kam da gerade recht. Es war schön, diese Zeit an meinem Herzensort, mit Herzensmenschen zu verbringen. Genau einen Monat ist mein Aufenthalt im Land der Pharaonen jetzt her.
Wobei Hurghada nicht zu meinen Lieblingszielen in diesem Land gehört, es gibt weitaus, zumindest für Touristen, attraktivere Ecken. Nun gut.
Ein Ort, der nicht unbedingt verlockend ist und historisch nichts zu bieten hat, hat genau dadurch natürlich einen unermesslichen Vorteil. Man konzentriert sich entspannt auf die eigene Person, es entfällt ein kulturelles Highlight nach dem anderen besichtigen zu wollen oder gar zu müssen (ich spreche vom inneren Drang). Was wiederum mit sich führt, dass man nicht vor sich weglaufen kann.

Ich verbrachte also den größten Teil meiner Zeit auf der Dachterrasse, teils mit einer Fleecejacke bekleidet, teils in eine Kuscheldecke gehüllt, um mich den winterlichen Sonnenstrahlen auszusetzten und meiner Lieblingsbeschäftigung, dem Lesen, nachzukommen.



Man mag es vielleicht nicht glauben, aber auch in Ägypten ist Winter. Bei direkter Sonneneinstrahlung waren es zwar gut 24 Grad, schob sich aber eine Wolke vor die Sonne, wurde es empfindlich kalt. 
Die Vorstellung, die Luft sei doch angewärmt, ist weit gefehlt. Ich wiederhole mich, auch in Ägypten herrscht Winter. Schiebt sich also die bereits beschriebene Wolke vor die Sonne, ist dies wirklich und tatsächlich direkt spürbar. Abends und Nachts rutschen die Temperaturen leicht in den einstelligen Bereich. Bei einfachen Fenstern ohne Dichtung und Isolierverglasung, Mauern ohne Dämmung und fehlender Heizung, kein wohliges Vergnügen. 
Das scheint die Werbung im TV erkannt zu haben, ich kenne nun sämtliche Heizstrahler aus Fernost, die man in Ägypten käuflich erwerben kann. 

Ansonsten bekommt man den Kopf herrlich frei, wenn man ein Fotoshooting mit Sascha, dem Kater des Hauses, durchführt, oder wieder ein Gericht mehr zum Nachkochen mit nach Hause nimmt. 



Koschari, ein ägyptisches Nationalgericht, ist vielleicht etwas aufwendig in der Zubereitung, aber es ist jeden Aufwand wert. Das Rezept zum Nachkochen folgt.

Natürlich führt man das ein oder andere Gespräch über den aktuellen Zustand Ägyptens, alle Meinungen sind vertreten. Es gibt absolute Beführworter von Militär und Al Sissi, wie auch Skeptiker und Gegner. Alle eint jedoch der Wunsch nach Ruhe und Sicherheit. Im Urlaub davor hatte ich mit einem Mann gesprochen, der Mursi gewählt hatte. Nein es war kein Fundamentalist, er trug weder Bart noch Sprengstoffgürtel. Leider habe ich ihn dieses mal nicht getroffen, seine Meinung zur derzeitigen Situation hätte mich interessiert.

Als ich beim Betreten eines Hauses die Frauen grüßte, die sich für einen Plausch im Eingangsbereich aufhielten, konnte ich neue Erfahrungen sammeln. 
Natürlich habe auch ich ein vom Westen geprägtes Bild bezüglich Kopftuch und Niqab, zumindest in Teilen. Es war ein kleines Grüppchen aus Frauen mit Kopftüchern und Niqabs, die Frauen mit Niqabs grüßten am freundlichsten zurück, damit hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet. Ich würde mich gerne mal in Ruhe mit ihnen unterhalten. Vielleicht ist dies irgendwann einmal möglich, sollte sich mein VHS-Arabischkurs nicht in Wohlgefallen auflösen. 

Auch eine gewisse Routine im Buchen von Flügen nach Ägypten, ohne einen Reiseveranstalter im Rücken, schützt nicht vor Überraschungen, von welcher Seite auch immer.
Hatten Freunde und Bekannte zu Beginn meiner Reisen Angst, man könne mich à la Betty Mahmoody daran hindern wollen, das Land wieder zu verlassen, droht die Gefahr im Realen von ganz anderer Seite. 
Zitat: "Laut Beförderungsbedingungen sind sie verpflichtet, sich Ihre Rückflugzeit bis 24 Stunden - jedoch nicht früher als 2 Tage vor Rückflug - bestätigen zu lassen."
Soweit, so gut. Es ging also obligatorisch ins Internetcafé um die Daten für den Rückflug zu überprüfen, was soll da groß passieren. 
Vielleicht, dass die Flugnummer nicht mehr existiert? So geschehen in diesem Urlaub. Das Herz rutscht augenblicklich in die Magengegend, die Hautfarbe ändert in Sekunden von knackbraun in kreidebleich. Die Rückflug war also unauffindbar, Infos per Mail oder ähnlichem, Fehlanzeige. 
Egal, Rettung nahte. Schließlich gab es bei dem Erwerb der Flugtickets auch eine Notrufnummer. Dumm nur, wenn der Gesprächspartner am anderen Ende zwar ein perfektes Deutsch spricht, er einen jedoch freundlich informiert, dass er in Scharm el Scheich sitzte und es somit nicht sein Notfall sei. 
Es folgte eine turbulente Abfolge von Telefonaten innerhalb Ägyptens, wie außerhalb nach Deutschland, und diversen Fahrten zum Flughafen und nach Hurghadacity, um immer wieder ein freundliches Schulterzucken zu erhalten. 
Das einzige was einen in diesem Moment aufrecht erhält sind die Gedanken, dass man Besitzerin einer EC-Karte ist, somit ein anderes Flugticket käuflich erwerben könnte und die Wohnung bestimmt noch länger zu mieten sei. 
Irgendeine der mangelhaften Informationen nimmt man irgendwann wörtlich, begibt sich mit Sack und Pack zum Flughafen, um dann mit der Info "es habe eine Umbuchung auf Flugnummer xy stattgefunden", Abflug natürlich 11 Stunden später, wieder auf ein Taxi zu warten um dann noch einmal zurück den Weg in die Wohnung zu finden. Selbstständlich fand dies alles mitten in der Nacht statt. 
Immerhin, ich habe doch so einige Steine von verschiedenen Herzen in Deutschland fallen hören, als mein Rückflug als sicher galt, ein schönes Gefühl. 

 
Tatsächlich hat man mir auf meine schriftliche Nachfrage (zurück in D) mitgeteilt, dass man versucht den stattgefundenen Sachverhalt zu klären. Ich bin gespannt.

Kommentare

  1. ...und wenn du denkst: Es kommt nichts mehr, kommt von irgendwo ein Fallstrick her. Ich hoffe, du konntest etwas von deiner Erholung herrüber retten.
    PS: Ein fantastisches Katzenfoto!

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    1. Ich konnte nicht nur etwas von der Erholung retten, ich habe immerhin jetzt wieder eine Anekdote mehr zu erzählen. Hat doch auch was.
      Danke für das Fotokompliment, der Kater ist echt ein fotogenes Kerlchen.

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  2. ...ist Urlaub nicht eine klasse Erfindung? So NOTWENDIG: Bin dann auch demnächst mal weg...
    Soll ich die Jungs von Orphaned Land grüßen...?! Die haben so nette hebräische Tattoos...
    LG
    Barbara

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    1. Urlaub ist manchmal wirklich wichtig und lebenserhaltend, auch wenn sich das jetzt sehr übertrieben anhört.
      Ja bitte, grüße sie. Autogramme täte ich auch nehmen :-))

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  3. Oh je, da ist ein guter Teil der Erholung erst einmal dahin...schön, dass Du es wohlbehalten wieder heim geschafft hast :-)!
    Ich liebe Kushari auch, ein so leckeres Essen! Bin schon auf Deine Variante gespannt, Liebes!

    Hab noch einen schönen Abend,
    liebst,
    Sabine

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  4. Das Rezept wird heute eingestellt, ich bin gespannt ob es jemand ausprobiert. Eben, es ist so lecker.

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