28. Oktober 2014

Frank Schätzing - Breaking News

KIWI-Verlag - ISBN: 978346204527-7




















Frank Schätzing hat mit "Breaking News" ein Buch geschrieben welches kontrovers diskutiert wurde und das nicht nur im Guten. Ihm wurde dabei tatsächlich vorgehalten, dass er als ein Mensch aus der Werbung weiß wie man etwas an den Mann, bzw. die Frau, bringt. Jemand der sein Handwerk eben versteht.
Was ist daran schlimm? Der Leser bekommt einen Roman -kein Sachbuch- dass thematisch gerade sehr aktuell ist und dabei auch noch informativ und unterhaltsam geschrieben ist.
Wie gut das Thema tatsächlich von dem Autor recherchiert wurde vermag ich nicht zu beurteilen, aber nicht alles macht den Eindruck von Fantasie mit Schneegestöber. Ein Roman, ein Politthriller, über den Nahen Osten. Brandaktuell und spannend geschrieben. Laut eigener Aussage des Autors war sein Wissen über den Konflikt vor der Idee zu dem Buch so umfassend wie wohl bei den meisten Lesern. Er war vor Ort, hat sich mit Journalisten unterhalten und historische Fakten gewälzt.

Das einzige Manko, wenn man es so nennen kann, ist der Umstand, dass das Buch aus Sicht der Israelis geschildert wird, die arabische Sicht der Dinge wird nicht bis ins Detail beleuchtet. Oder ist dies kein Manko? Zeigt es doch ganz deutlich, dass die Juden in Israel Menschen sind, nicht besser und nicht schlechter als der Rest der Welt. Getrieben von Macht, Verblendung, menschlichen Gefühlen und dem Glauben, bzw. der Rechtfertigung, Gottes Volk zu sein. Auch andere Gruppierungen wähnen sich dieser Überzeugung.
Schätzing streift dabei die Jahre nach der Staatsgründung und springt, der Geschichte geschuldet, ein wenig durch die Jahre bis ins Jahr 2011. 

Die Lektüre gliedert sich in zwei Teile, wobei Teil 1 den Leser erst einmal ratlos zurück lässt. Ein Reporter in Afghanistan. Was das mit Israel und Palästina zu tun hat? Nichts, aber es macht den Leser vertraut mit der Figur des Krisenberichterstatters Tom Hagen, der alles wagt und alles verliert. Ein Blick auf die beklagenswerte Arbeitsweise die eine ganze Zunft heute zu leisten hat. Auf ein Thema hinarbeiten, Zündfunken erkennen und analysieren ist heute nicht mehr möglich. Von Brennpunkt zu Brennpunkt hetzen. Ein "erklär mir die Welt in 2 Minuten", das wird gewünscht, das muss geleistet werden. Das wird teils sogar gerne geleistet.
Gut drei Jahre später will er es noch einmal wissen, die Gelegenheit dazu scheint sich in Tel Aviv zu ergeben als Hagen Daten vom israelischen Inlandsgeheimdienst zugespielt bekommt. Hier schließt sich der Kreis und man ist endlich in der Lage Teil 1 und Teil 2 der Geschichte zu verbinden. Ob diese Vorgehensweise jetzt unbedingt so sein musste?
 
Nach dem historischen Krimi "Tod und Teufel" ist dies mein zweites Buch von Frank Schätzing. Mir gefällt seine in Teilen flapsige Art mit der Geschichte umzugehen, reale Dinge und Gedanken ad absurdum zu führen. 
"Und genau hier liegt das Problem, denkt Hagen. Dass sie in Europa und Amerika den Arabischen Frühling als eine Art Eignungstest misszuverstehen scheinen. Wer ist der wohlgefälligste Araber? Im Augenblick jedenfalls keiner."
 "Streiten sich, als bekämen sie Geld dafür. Und warum? Weil jeder besser zu wissen meint, wovon er tatsächlich nicht die geringste Ahnung hat."

Der Autor baut um einige reale Personen, wie Ariel Scharon, frei erfundene Romanfiguren, und das sind nicht wenige. Zwei jüdische Familien bilden den Grundstock für die Geschichte Israels.
Ich habe für die Lektüre über zwei Monate gebraucht (aber nicht weil es so zäh oder langweilig war) und es hat der Geschichte nicht gut getan. Es passiert viel in dem Buch mit fast 1000 Seiten, ein flüssiger Konsum  ist hier angeraten. 
 
Hier noch ein Link zur Sendung Druckfrisch im Frühjahr:  "Frank Schätzing im Gespräch mit Dennis Scheck".

Kommentare:

  1. ich tu mir sehr schwer mit diesem buch! hatte vor monaten angefangen zu lesen und pausiere seitdem. es konnte mich nicht reißen, um am ball zu bleiben. werde dem buch demnächst mal ne 2. chance geben. kann es net mal mehr verschenken, da mir damals kaffee drüber gelaufen ist es nun auch noch flecken aufweist...
    mit diesem buch hab ich irgendwie pech auf ganzer linie...

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    1. Gib dem Buch noch eine Chance, auch mit Kaffeefleck. Mehr kann doch nicht mehr passieren.

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  2. Danke für den Tipp!
    Ich habe bisher nur "der Schwarm" von ihm gelesen und das hat mir ziemlich gut gefallen.

    Lieben Gruß
    Sarah

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    1. Gerne. Dafür muss ich jetzt noch "Der Schwarm" lesen.

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    2. Gerne. Dafür muss ich dann noch "Der Schwarm" lesen. Der dümpelt schon einige Jahre in meinem Regal rum.

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  3. Danke für Deine Einblicke ins Buch! Habe Schätzings "Der Schwarm" vor Jahren geradezu verschlungen und mir sein neuestes Buch schon notiert - vor allem, nachdem er in einem Interview viel darüber erzählt hatte. Ich werde es mir also irgendwann nun doch "antun" müssen....

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