21. Januar 2015

Ahmed Mourad - Diamantenstaub

Lenos-Verlag, ISBN: 978 3 85787 452 9

Klappentext:

Die Ärzte vermuteten, er habe vielleicht ein seltene Krebsart. Sein Verdauungstrakt war voller kleiner Tumore, und ständig hatte er Blutungen. Ich allein wusste die Wahrheit über seine Krankheit ...


"Anhand eines spannend geschilderten Verbrechens kritisiert Ahmed Mourad die grassierende Korruption innerhalb der ägyptischen Gesellschaft - und bestätigt damit seinen Ruf als hervorragender Romantautor."
Sonallah Ibrahim








"Wissen Sie, was das Problem ist?" meine Walid. "Die Leute sehen das alles ganz falsch. Ein Polizeioffizier ist hierzulande das Größte. Das Amt ist wie ein Bilderrahmen: Wenn Sie darin sind, sind Sie alles. Aber außerhalb des Rahmens sind Sie gar nichts. [...] Wenn man in diesem Land keine Macht hat, hängt man in der Luft. [...]".
Dieser Satz drückt das ganze Dilemma der ägyptischen Gesellschaft aus. Es wird getreten, von oben nach unten, und die Korruption ist tägliches Geschäft.

Ahmed Mourad hat nicht nur einen Thriller aus Ägypten geschrieben, was ihm wirklich gut gelungen ist, sondern gleichzeitig einen ebenso kritischen Gesellschaftsroman.
Taha, ein junger Mann, lebt mit seinem kranken, an den Rollstuhl gefesselten,  Vater zusammen in einer alten Eigentumswohnung. Tagsüber ist er als Vertreter für pharmazeutische Produkte tätig, nachts arbeitet er als Apotheker. 
Sein Vater vertreibt sich die Zeit unterdessen damit alles und jeden durch ein Fernglas zu beobachten.
Eines Tages wird der Vater in der Wohnung brutal ermordet. Die Polizei stellt die Ermittlungen bald ein und Taha versucht den Fall auf eigene Faust zu lösen. 
Er erkennt dabei, dass sein Vater nicht nur ein harmloser alter Mann war, sondern ein Mörder und wird gleichzeitig - eher ungewollt - zum Spielball der Mächtigen und ihren durchtriebenen Spiele. 

Sehr eindringlich weiß der Mourad die Gesellschaft seines Landes zu beschreiben. Interessiert an Macht und Reichtum, gierig und unsozial wird Ägypten in den Abgrund gerissen. Beeindruckend dargebracht, gerade in den kleinen, eher unbedeutenden Szenen.

Der Leser folgt der Geschichte zurück bis ins Jahr 1954, erkennt die Grundsteinlegung dieser bis heute ausufernden Korruption, liest ägyptische Geschichte. Mir zumindest war Muhammad Nagib als erster Präsident bisher nicht bekannt.
Das Buch endet kurz vor der Revolution, ohne dass explizit darauf hingewiesen wird. Tatsächlich erschien die Originalausgabe 2010, hilft aber sehr einige Zusammenhänge der jüngeren Geschichte besser zu verstehen. 

Nicht nur für Ägyptenfreunde eine lohnende Lektüre.


*und doch sind die einfach Menschen unglaublich herzlich, hilfsbereit und freundlich. Zumindest habe ich diese Eindrücke auf meinen Reisen sammeln können.

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