Ramadan in Hurghada

Ich wollte gerne mal Ramadan in Ägypten erleben. Eigentlich in Luxor auf der Westbank, aber das ist mir aktuell doch zu heiß, so ist es also Hurghada geworden. 

Ist es tagsüber schon immer etwas ruhiger als in den Abendstunden so scheinen die Straßen im Ramadan bei Tage fast ausgestorben. Erst nach dem Fastenbrechen am Abend, was der Ägypter als Frühstück bezeichnet, kommt Leben in der Stadt auf.

Als Tourist in einer Hotelanlage merkt man davon allerdings nichts, alles läuft wie geplant. Lediglich an der Rezeption hing eine Erklärung über den Ramadan. Man hat überhaupt keine Probleme damit, dass die Touristen trinken und essen. Ich wurde bei einem Shopbesitzer zum Tee eingeladen und wollte aufgrund des Ramadan ablehnen. Die Antwort war, dass ich das bitte nicht solle. Er hätte überhaupt kein Problem wenn ich als Touristin und Christin einen Tee bei ihm trinken würde. 

Üblicherweise beginnt das Frühstück mit einer Dattel, auch ein Zeremoniell welches in dem Hotel nicht stattfand. Mehrere Mitarbeiter erklärten mir unabhängig voneinander, dass man dieses Ritual im Kreise der Familie gerne ausführt, aber bei der Arbeit geht es eher um die reine Nahrungsaufnahme. Einleuchtend irgendwie.































Ein Mitarbeiter erklärte mir auch, dass die Datteln hier in Hurghada nicht zu vergleichen seien mit denen in Kairo, seiner Heimatstadt. Auch hier ist vielleicht einiges Kopfsache. 

Viel spektakulärer geht es in einem ägyptischen Haushalt aber auch nicht zu, wie ich bei einem privaten Fastenbrechen (iftar) erleben durfte. Im Fernsehen lief ein Programm welches passende Koransuren rezitierte, ein Schälchen mit getrockneten Datteln wurde gereicht, die Lichterkette angeschlossen und dann folgte das Frühstück in Form eines normalen ägyptischen warmen Essens. 

Aktuell konnte man den Medien entnehmen, dass in Pakistan aufgrund einer großen Hitzewelle (über 45 °C) mehr als 700 Menschen beim Ramadan ums Leben gekommen sind. Die Imame hatten dazu aufgerufen den Ramadan bei diesen Temperaturen bitte nicht durchzuführen. Das ist die Kehrseite und ich frage mich wie eng Sinn und Unsinn beieinander liegen mögen. 
Im Hotel klagte ein Shopbetreiber über Magenbeschwerden, aber statt das Fasten einzustellen wird lieber abends mit einer Tablette nachgeholfen. Das wird wohl nicht Sinn und Zweck der Übung sein. Ein Mitarbeiter, der den ganzen Tag am Strand, und von daher auch oft der Sonne ausgesetzt ist, hat sich zumindest ein Glas Wasser gegönnt. Ich glaube Allah ist nicht böse wenn die Vernunft siegt. Aber das muss wohl jeder mit sich und Gott selber ausmachen.

Übrigens tut es auch gar nicht weh seinem Gegenüber einen gesegneten Ramadan (Ramadan karim (رمضان كريم) zu wünschen, was auf die Wohltätigkeit und Großzügigkeit im Monat des Ramadan gegenüber armen Leuten hinweisen soll. Wir freuen uns ja auch über einen kleinen Weihnachtsgruß. Da es natürlich auf alles eine Antwort gibt lautet die im Arabischen "Allah akram", Gott ist großzügiger (zumindest so ähnlich).

In Ägypten glitzert und funkelt es ja sowieso sehr gerne, zum Ramadan werden aber die Straßen mit Lichtern und Wimpeln geschmückt, bis in die kleinste Gasse hinein. 






































Wer übrigens ein wenig mehr über die typische ägyptische Küche zu Ramadan wissen möchte sollte unbedingt das Blog von Wera Ägyptische Rezepte besuchen und das nicht nur zu Ramadan.  

Kommentare

  1. Faszinierende Bilder !

    "Früher" dachte ich immer, dass wirklich nichts in der Fastenzeit gegessen wird - und war dann ganz erstaunt, als ich erfuhr, dass nur bei Licht nicht gegessen wird ... :-)

    Liebe Grüße - Monika

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    1. Dankeschön :-)) Nun ja, einen Monat gar nichts essen und trinken wäre wohl doch ein wenig zu viel des Guten. Der Moslem in Norwegen und Schweden hat da eh schon mehr Probleme als de Moslem in Saudi Arabien o.ä. Einfach weil es im Norden viel länger hell ist.

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  2. Tolle Bilder!! Super schön!
    Bin grade erst aus einem Urlaub in Marokko zurück und habe da auch meine ersten "Ramadan" Erfahrungen gemacht. Ich finde es wirklich unglaublich, dass die bei diesen Temperaturen wirklich den ganzen Tag nichts trinken. Essen kann ich verstehen - wollte ich bei der Hitze selber nie... aber nichts trinken? Das fand ich wirklich sehr krass.

    VG
    Cat

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    1. Hm, ich mochte auch bei Hitze essen. Es ist aber schon krass, stimmt. Marokko steht bei mir auch bald auf dem Programm.

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    2. Ach wirklich? Hast du schon was konkretes gebucht? Mir hat es wirklich unheimlich gut dort gefallen. Auch wenn zu hause mich wieder alle für verrückt erklärt haben und gar nicht verstehen konnten, warum wir - auch noch als zwei Mädels alleine - dorthin fahren.

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    3. Nein, gebucht ist noch nichts. Aber eine Rundreise im Frühjahr ist in Planung. Mittlerweile erklärt mich glücklicherweise keiner mehr für verrückt. Ich fliege übrigens auch mit einer Freundin zusammen :-)

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    4. Cool! Frühjahr klingt gut. Bei uns im Juni war es teilweise schon wirklich sehr sehr heiß im Landesinneren. Gibt es schon eine grobe Planung? Obwohl - ist ja noch etwas hin. :) Wir fanden auf jeden Fall Fès unheimlich schön. Hat uns mit am besten gefallen.
      Übrigens hatte wir zwei Mädels überhaupt keine Probleme vor Ort. Alle waren sehr freundlich und hilfsbereit. Sind auch alleine mit unserem Mietwagen auf den Straßen super klar gekommen. Und natürlich sind die Händler etwas aufdringlich, aber ist das nicht überall so? ;)

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    5. Die grobe Planung ist eine Rundreise mit Veranstalter. Um einen ersten Eindruck eines Landes zu gewinnen eine ideale Art für einen Urlaub. Ach ich freu mich schon.

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  3. Wirklich schöne Bilder aus Hurghada!
    Danke für die Erwähnung!

    LG Wera

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