Wenn ein Mensch stirbt ...

kann man viel falsch machen, glücklicherweise auch vieles richtig. 

Das Gewesene nach hinten schieben, einander verzeihen, Missverständnisse ausräumen und gemeinsam die letzten Tage verbringen. Ich war immer ein Papakind, oder Papas Kind.

Mein Vater weiß, dass er sterben wird. Er hat sich gegen eine nötige OP entschieden. Es steht 50 / 50 die Operation zu überleben, aber auch die 50 Prozent Überleben warten mit schlechten Optionen. 
Ein Versprechen haben wir alle ihm gegeben, er soll keine Schmerzen haben. Das Versprechen wird derzeit eingelöst so gut es geht. 
Nicht einfach. Nicht einfach für ihn, noch geistig absolut fit, nicht einfach für mich. Ich mag ihn nicht leiden sehen.
Der Weg kann nach Aussage der Ärzte noch ein bis zwei Wochen dauern.

Eine Situation die Kraft braucht und raubt. Woher kommt die Kraft? Tief aus dem Innern, von Freunden und Kollegen. Von Menschen mit denen man nicht gerechnet hat, sogar von Menschen die man gar nicht kennt.
Man kann auch fordern. Kraft, Hilfe und Verständnis. Es funktioniert. Es mag am guten Umfeld liegen, ich weiß es nicht. 
Müdigkeit wird kommen, später.

An schlechten Tagen mag man an Gott zweifeln. Wäre ich nicht bereits aus der Kirche ausgetreten, ich würde darüber nachdenken. An guten Tagen möchte man diesem Gott danken. Verrückt. 
Die guten Tage geben Halt und Stärke, sind Zehrung für den Weg der noch vor uns liegt. 

Was Papa nicht weiß, in Ägypten wird für ihn gebetet. Ich glaube es gibt dort jemanden der kann das besser als ich. 





Und wenn ihr den Gipfel des Berges erreicht habt, dann wird euer Aufstieg beginnen.
Und wenn euer Körper der Erde anheim fällt, dann werdet ihr wahrhaftig tanzen.

Khalil Gibran, Der Prophet

Kommentare

  1. Liebe Isabelle,
    in solchen Momenten fehlen einem oft die richtigen Worte.....

    Ich wünsche dir viel Kraft für die bevorstehende Zeit.
    Fühl dich gedrückt und sei lieb gegrüßt von
    Heike

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  2. Wir sind in Gedanken bei dir und beten für deinen Papa und wünschen Dir und deiner Mum jetzt ganz viel Kraft - fühl dich gedrückt, liebe Isa.

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  3. Liebe Isa, was Du hier beschreibst, habe ich genauso vor mehr als 10 Jahren mit meinem Vater erlebt. Auch er hatte sich gegen eine weitere Therapie entschieden. Er und wir wußten, was das bedeutete. Es war sehr schwer, diesen Gedanken in sich zu Ende zu denken. Es ging schnell, gut für ihn, gut, aber auch schlecht für uns. Und am Ende? Man kann es nicht fassen, auch wenn man "vorbereitet" war, es trifft einen dann doch vollkommen "unvorbereitet".. Ich wünsche Dir so viel Kraft, liebe Isa, weil er Deine Kraft braucht, und Deinem Vater einen leichten Weg ohne unnötiges Leiden. Und, es tut mir einfach so leid. Deine Andrea

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  4. Ich wünsche Dir und Deinem Vater viel Kraft in diesen Tagen. Ich widme euch meine Liebende Güte-Meditation. Ulrike

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  5. Ich habe gerade meine Mutter verloren und weiß daher, wie sich das anfühlt. Ich wünsche dir ganz viel Kraft und deinem Vater einen guten Weg zum Frieden.

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  6. Ich danke euch für die lieben Worte, Gebete und Meditationen. Es hilft, aber es bleibt anstrengend.
    Heute habe ich mir nach vielen Tagen was Warmes zu Essen gekocht, auch das tat gut.

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  7. Ich glaub, ich weiß, wie es dir geht. Innerhalb von 16 Wochen haben wir meinen Vater drei Tage bis zu seinem Tod begleitet, dann meine Schwiegermutter. Ihr Weg dauerte über acht Wochen. Ich bin jetzt sehr müde, weiß aber auch, dass es so gut war und ich wieder auf die Beine kommen werde. Es gibt auch eine neue Hoffnung in der Familie.
    Ich wünsche dir alles, alles Gute!
    Astrid

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    1. Ja, müde bin ich auch. Was du schilderst ist auch sehr schlimm, um so schöner die neue Hoffnung.

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  8. Es tut uns leid, das zu hoeren. Aber der Weg, fuer den ihr euch entschieden habt, war unserer Meinung nach der richtige. Wir wuenschen dir und deinem Vater noch einige friedliche und vielleicht sogar glueckliche Momente. Sag ihm ruhig, dass es auch in Bangkok Menschen gibt, die an euch denken. Vielleicht bereitet ihm das ein wenig Freude.

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    1. Ich werde ihm die Grüße aus Bangkok ausrichten, das wird ihm gefallen.
      Gestern hat er viel geschlafen, das war für uns sehr erholsam.

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